Gedanken

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Wer ist “der” Motorradfahrer?

Identifikation

Der motorisierte Zweiradfahrer hat einen schlechten Ruf, er hat keine Lobby und er ist Individualist. So könnte man in kurzen Worten die Situation des Motorradfahrers charakterisieren.

Schuld daran ist neben der manchmal provokanten spektakulären Fahrweise einzelner schwarzer Schafe auch der Aufbau eines systematisch gepflegten Negativimages durch Film, Funk und Presse. Ist doch der zwielichtige, furchteinflößende Auftritt eines schwarzchrom-glitzernden Bösewichtes im Krimi wie im Kinderbuch ein immer gerne benutztes Klischee.

Auch die Motorradindustrie liefert mit ihrer meist aggressiven, rennsportlich orientierten Werbung manch unterbewußt wirksames Negativengramm hinzu. Die einschlägige Presse verschärft die Problematik durch ihre stärker-schneller-besser Testsieger. Wie immer im Leben hat aber alles seine zwei Seiten.

Entwicklung

Bestes Beispiel dafür ist die Begeisterung vieler Motorradfahrer für straßentaugliche Enduros: Für diese bedeuten solche “Vielzweckmotorräder” die Abkehr von allzu PS-gläubiger pseudosportlicher Fahrweise, nämlich das Zurück zum richtigen naturverbundenen Motorradfahren. Für andere ist es allerdings der letzte Beweis, daß diesen Zweiradfans auch gar nichts mehr heilig ist, selbst die unberührte Natur muß jetzt noch herhalten . . . !

Tatsache ist, daß sich in der Zusammensetzung der Motorradfahrer seit Jahren unaufhaltsam etwas ändert. Der Trend geht weg vom jugendlichen Raser und mehr und mehr hin zum reiferen Genußfahrer, der als Individualist reisen möchte, der sich gerne mit Wind und Wetter konfrontiert sieht und der über jahrelangem Autofahren gelernt hat, die besonderen Reize dieses Fortbewegungsmittels zu schätzen. Sinkende Unfallzahlen, zunehmendes Sicherheitsbewußtsein, defensiv und klug taktierende Fahrweise und die eben erwähnte Altersverschiebung, dies alles sind Kriterien oder besser Symptome für die Ausbildung eines neuen Fahrertyps, der das Zweirad nicht mehr als profilierungsgeeigneten Potenzverstärker benutzt!

Zweck - Chance

Auch unter dem heute so wichtigen Aspekt des wachsenden Umweltbewußtseins hat das Zweirad durchaus eine gute Chance.Es braucht im Verhältnis zum Auto unglaublich wenig Platz, ist ausgesprochen schadstoffarm und kann technisch problemlos weiter geräuschgedämpft und abgasentgiftet werden. Trotzdem bringt es dem Benutzer eine Menge Fahrspaß, wie man ihn in dieser Form mit dem Auto niemals empfinden könnte, vor allem auf Straßen, die sich erst in der Detailkarte finden und Fahrwerk samt Fahrer intensiv fordern. Bei welchem anderen motorisierten Fahrzeug beträgt das Verhältnis Eigengewicht zu Nutzlast etwa 200 zu 200 kg ?

Relation

Bleibt die vieldiskutierte Sicherheitsfrage: ist Motorradfahren einfach zu gefährlich? Nun, objektiv betrachtet muß man sagen, daß fast alle Dinge im Leben, die besonderen Spaß bringen, auch ein spezifisches Risiko in sich tragen. Ob es nun um Skifahren, Joggen, Drachenfliegen, Bergsteigen, Mountainbiken oder nur Sonnenbaden handelt, nicht nur diese Freizeitbeschäftigungen haben eben ihr Risiko . . . !

Trotzdem legt sich fast jeder zweite Flugtourist immer noch an überfüllten Stränden und Orten auf sein Badetuch, er weiß halt, daß man spezielle Risiken durch geeignete Maßnahmen minimieren kann. In Bezug auf das Motorradfahren bedeutet das: Es hat keinen Sinn, immer und immer wieder dessen Gefährlichkeit zu beschreien, was eher zu einer völlig deplazierten Sicherheitshysterie statt zu einem vernünftig abgestimmten Maßnahmenkatalog ohne politisch-opportune, aber realitätsferne Einschränkungen führt.

Verhalten

Sicherheit beginnt im Kopf (!), das heißt, ich kann nur Risiken verhüten, die ich kenne und bejahe. Ausreichende Erfahrung gilt es frühestmöglich und im beispielhaften Elternhaus zu erwerben, in der Fahrschule ist es oft zu spät. Aggressionsfreie, defensive Fahrweise, der jeweiligen Situation angepaßtes Tempo und vernünftige Schutzkleidung sind da ebenso wichtige Kriterien wie sinnvolle technische Entwicklungen (ABS - Abgasreinigung). Wir leben in einem Zeitalter, in dem durch Umweltsünden und die Notwendigkeit, darauf zu reagieren, aber auch durch Politiker, die immer wieder neuen Profilierungsraum brauchen, die Zwänge allgemein zunehmen.

Gewinn

Individualismus wird, da kann man getrost der unguten Prophezeiung mancher Science-Fiction-Filme glauben, in der Zukunft immer weniger gefragt sein, denn in der gesellschaftlichen Enge steigt der Preis und damit der Profit schneller. Der Motorradfahrer ist aber ein typischer INDIVIDUALIST, er sollte seine Interessen sehr klug vertreten. Es wäre um das ERLEBNIS MOTORRADFAHREN unglaublich schade, wenn die Kopflosigkeit weniger Rücksichtsloser die Verteufelung dieser äußerst bunten und vielschichtigen Motorradfahrergesellschaft pauschal zur Folge hätte.

Viele haben es nämlich noch nicht gemerkt: Der Motorradfahrer ist in Wirklichkeit in der Regel ein prima Kerl und weit besser als sein Ruf!